Gottesdienst für Leute von 0 bis 99


Steht da der Start eines Rennens unmittelbar bevor? Einige Leute zögern, als sie vor der Kirche eine Startnummer fassen und sich umbinden sollen. Man hat ja am Morgen die Sonntagskleider angezogen und nun nicht grosse Lust auf eine schweisstreibende Aktivität...
Der Gottesdienst für Leute von 0 bis 99 am 15. Juni stand wegen der Tour de Suisse im Zeichen des Radsports. Kleine und Grosse merkten bald, dass sie selber als Teilnehmer eines Rennens angesprochen waren, als sie hörten, was Paulus den Christen in Korinth geschrieben hatte: „Von allen Läufern, die im Stadion zum Wettlauf starten, gewinnt nur einer die Goldmedaille. Lauft so, dass ihr sie gewinnt!“ Dass aller Anfang nicht so leicht ist, zeigte die Bildergeschichte von der kleinen Bella, die das Radfahren erst noch lernen muss: „Schau nicht auf das Hindernis, sondern auf den Weg!“ Zur Stärkung konnten die Kinder am Verpflegungsstand eine Ration Traubenzucker abholen.
David Flückiger, ein junger (ehemaliger) Radrennfahrer aus Zollbrück, berichtete im Interview von seinen Erlebnissen als Spitzensportler. Man staunte darüber, dass ein junger Mann, der sonst eher den einfachen Weg wählt, die Qualen eines harten Trainings auf sich nimmt und fasziniert ist von der Geschwindigkeit, dem Risiko, der Brutalität und der extremen Herausforderung des Radsports. Auch wenn Flückiger den Spitzensport kürzlich aufgegeben hat - er sagte, Gott habe ihn gebremst -, ist er entschlossen, ein anderes Rennen nicht vorzeitig zu beenden: den Wettkampf des Glaubens, bei dem es das ewige Leben zu gewinnen gibt.
Nach einem sportlichen und musikalischen Gottesdienst und einem Apéro im Bistro C, bei dem „Räder“ und Energie-Drinks angeboten wurden, bleibt hartnäckig ein Bild in mir haften: Am Ziel einer harten Bergetappe an der Tour de France 2003 legt ein Betreuer dem siegreichen Lance Armstrong ein Frotteetuch über die Schultern. Und ich denke: So ähnlich muss es sein, wenn ich im Wettkampf des Glaubens bestehe und am Ziel von Gott in die Arme genommen werde!
Pfr. Hannes Müri