Wird in der Kirche gebaut? Ein Verkehrsschild mahnt zur Vorsicht, rot-weisse Bretter sperren eine Seite des Eingangs ab. Gespannt schieben kleine und grosse Leute den Vorhang mit dem Steinmuster zur Seite - und stehen wiederum vor einer Baustelle mit orange blinkenden Laternen.
Zum Gottesdienst für Leute von 0 bis 99 am 17. Juni begrüsst uns natürlich ein Bauarbeiter. Seine Pause ist vorbei, er muss zurück an die Arbeit. Da kriecht ihm doch tatsächlich ein Stein mit einem freundlich lachenden Gesicht entgegen! Lebendige Steine? Klar, die gibt es! Die Steine, die die Kinder zu einer Trockenmauer aufschichten sollen, sind allerdings ganz normal und passen nicht besonders gut aufeinander: Immer wieder stürzen Teile der Mauer ein. Bauleute haben keinen einfachen Job...
Um lebendige Steine geht es in der Bildergeschichte: In der Geröllhalde sucht ein Baumeister Steine, mit denen er sein Haus bauen kann. Manche Klötze sind bereit, sich in die Mauer einfügen zu lassen. Manche zögern, wenn sie erfahren, dass ihnen dafür eine Ecke abgemeisselt werden soll oder sie eine scharfe Kante oder ihre modrige Moosschicht hergeben müssen. Wieder andere verweigern sich dem Baumeister. Zudem haben die eingemauerten Steine Mühe, einander in ihrer Eigenart zu akzeptieren. Trotzdem wächst der Bau. - Die Geschichte macht einen Gedanken aus 1. Petrus 2,5 deutlich: Wie lebendige Steine sollen wir uns in das Haus einbauen lassen, das Gott baut: seine Gemeinde. Sind wir bereit, uns von ihm verändern und formen zu lassen, auch wenn es ein wenig schmerzt?
Am Ausgang sucht sich jedes einen Stein aus, der zu ihm passt. Was da in der Emme für unbeachtete Schätze liegen! Einige der Nummern auf den Steinen sind Glückszahlen und berechtigen zu einem kleinen Preis. Aber es lohnt sich ohnehin, beim Apéro dabei zu sein, gibt es doch feine Brötchen, essbare Kieselsteine und einen massiven "Ziegelstein" zu probieren. Und während die Kinder miteinander herumtollen, freuen sich die Erwachsenen darüber, wieder einmal mit dieser oder jenem ein gutes Wort zu wechseln.
Hannes Müri