
„Es isch zum dervo loufe...“ Einer, der diesen Seufzer ausgestossen haben mag, war Josef, Marias Verlobter, als er entdeckte, dass seine zukünftige Frau ein Kind erwartete allerdings nicht von ihm. Ein Gemälde eines holländischen Künstlers zeigt Josef, wie er sich auf seinem Lager hin und her wälzt und dunkle Gedanken spinnt. In dieser Nacht hat er aber auch einen Traum: Ein Engel Gottes ermutigt ihn, Maria als seine Frau zu sich zu nehmen. Das Kind, das sie erwarte, sei vom Heiligen Geist, und er, Josef, solle ihn Jesus nennen (nachzulesen bei Matthäus 1,18-25).
Wie viel Mut brauchte Josef wohl, um den neugierigen und geschwätzigen Leuten auf dem Markt von Nazareth zu erklären, warum er Maria trotz dieser vermuteten Schan-de heiraten wollte? Die Besucher des „Gottesdienstes für Leute von 0 bis 99“ am 1. Advent konnten sich bei einer lebhaften Theaterszene dazu ihre Gedanken machen. Vorher hatten die Kinder die Gelegenheit, ihren eigenen Mut durch einen Griff in drei „Gruselkisten“ unbekannten Inhalts unter Beweis zu stellen...
In einem Interview mit zwei Männern aus der Gemeinde kam heraus, dass Josefs Eigenschaften wie Mut, Beständigkeit und Aufrichtigkeit auch heute im Leben umgesetzt werden können: Einer der Interviewpartner hat die Kraft aufbringen können, trotz sehr schwierigen Umständen bei seiner Familie zu bleiben. Ein anderer, Abteilungsleiter in einer grossen Firma, stellt sich täglich der Herausforderung, bei seiner Arbeit „klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben“ zu handeln.
Als praktisches Souvenir konnten die Gottesdienstbesucher beim Ausgang einen kleinen Karabinerhaken von einer Schnur nehmen, an dem das Bibelwort hing: „Gott, meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich“ (Psalm 63,9). Der Haken an ihrem Schlüsselbund erinnert sie daran, nicht abzuhängen und davonzulaufen, sondern im Gegenteil bei Gott „einzuhängen“ und dadurch Halt zu gewinnen.
Pfr. Hannes Müri