Bei einem Besuch in Pakistan im Jahre 1975 habe ich die Not vieler Witwen und Kinder gesehen, die in Armenvierteln leben. Von dem Moment an war es wie ein innerer Auftrag, mich für diese Menschen einzusetzen. Ein überkonfessioneller Freundeskreis hat sich gebildet, der nun mithilft, das Los der armen Witwen etwas zu erleichtern. Dank der Mithilfe einer Missionarsfamilie, die einige Jahre vor Ort wohnte, konnte die Arbeit dort aufgebaut werden. Jetzt sind es überwiegend einheimische Mitarbeiter, die Mitverantwortung übernommen haben. Eine Krankenschwester leitet das Missionshaus und betreut einen Teil der Witwen, da sie auch einige Dialekte sprechen kann. Die meisten „unserer“ Witwen können nicht einmal ihren Namen schreiben. Wir haben deshalb grosses Gewicht auf die Schulbildung der Kinder gesetzt, weil dies für ihre Zukunft wichtig ist. Die Witwen sind äusserst dankbar, dass durch die Unterstützung, die sie bekommen, ihren Kindern der Schulbesuch ermöglicht wird.
In der Handarbeitsschule können junge Witwen und Mädchen das Nähen und Sticken lernen. Unsere einheimische Lehrerin gibt sich viel Mühe, und so ist dann auch die Freude gross, wenn der Tag kommt, da die Schülerinnen ein Diplom und eine Nähmaschine von uns als Start erhalten, um damit den Lebensunterhalt selbst verdienen zu können. Es ist uns wichtig, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, denn wir möchten vermeiden, Menschen von uns abhängig zu machen.
In einem anderen Teil des Landes bezahlen wir Schulgeld für ganz arme Kinder. Die Schule wird von einem einheimischen Christen geführt, und ihm ist es wichtig, dass Kinder aus den Armenvierteln auch eine Chance bekommen.
Ich bin sehr dankbar für die guten Mitarbeiter, mit denen ich in regem Kontakt stehe. Wenn immer es möglich ist, reise ich jährlich einmal auf unsere Hauptstation und besuche dann auch andere Orte. Als Bindeglied zwischen der Arbeit auf dem Feld und dem Freundeskreis bin ich dankbar, gemeinsam die Lasten der Armen etwas tragen zu helfen. Als Motto unserer Aufgabe haben wir den Vers aus Galater 6,2 genommen: „Einer trage des andern Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
Bei allem Einsatz wissen wir immer, dass an Gottes Segen alles gelegen ist. Wir hoffen, die Arbeit auch weiterhin tun zu können.
Ursula Ryf
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